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Eignungsprüfung — taugt mein Vorgangsprotokoll für eine Prozessanalyse?

Eine Prozessanalyse auf einem untauglichen Protokoll erzeugt Zahlen, die niemand halten kann. Der Kunde bezahlt für eine Aussage über seinen Beschaffungsprozess, bekommt eine erfundene, und merkt es erst, wenn er danach handelt. Deshalb steht diese Prüfung vor der Analyse, nicht danach — und deshalb wird ohne ein brauchbares Ergebnis keine Governance-Conformance auf Vorgangsdaten angeboten.

Du findest sie unter Governance Mining → Eignungsprüfung. Der Reiter erscheint nur für Tenant-Admins und Plattform-Administratoren.

Einen Auszug aus dem System, dessen Ablauf du auswerten lassen möchtest — ein Ticketsystem, eine Beschaffungsanwendung, ein Dokumentenmanagement. Vier Spalten, in dieser Reihenfolge, getrennt durch Semikolon, Komma oder Tabulator:

SpalteInhaltBeispiel
Kennungdie Nummer des Vorgangs — was alle Ereignisse eines Falls zusammenhältA-1042
Aktivitätwas geschehen istFreigabe erteilt
Zeitstempelwann2026-06-01T09:12:00Z
Bearbeiterwer — die Kennung genügt, der Klarname ist nicht nötigm.huber

Eine Kopfzeile wird erkannt und verworfen. Unter 100 Ereignissen gibt es keine Aussage: das wäre eine Aussage über die Stichprobe, nicht über das Protokoll.

Was geprüft wird — und was ohne die jeweilige Messgrösse wegfällt

Abschnitt betitelt „Was geprüft wird — und was ohne die jeweilige Messgrösse wegfällt“
MessgrösseOhne sie ist nicht möglich
Abdeckung der Vorgangskennungalles. Ohne Vorgang gibt es keine Vorgangssicht, nur eine Ereignisliste
Vielfalt der Aktivitätenjede Aussage über den Ablauf. Ein Protokoll mit zwei Aktivitäten beschreibt einen Status, keinen Wertstrom
Feinheit der Zeitstempeljede Aussage über die Reihenfolge
Vollständigkeit der Vorgängejede Aussage über Vollständigkeit — ein Vorgang aus einem einzigen Ereignis hat keinen Ablauf
Auflösbarkeit der Bearbeiterjede Aussage über Zuständigkeit und Funktionstrennung

Der häufigste Fallstrick: das Format sieht gut aus, der Wert nicht

Abschnitt betitelt „Der häufigste Fallstrick: das Format sieht gut aus, der Wert nicht“

Die Feinheit der Zeitstempel wird aus den Werten bestimmt, nicht aus dem Format. Ein System kann tadelloses ISO-8601 mit Sekunden ausgeben und trotzdem jeden Wert auf Mitternacht setzen — weil es das Buchungsdatum führt und nicht den Buchungszeitpunkt. Dann ist die Feinheit ein Tag, und die Reihenfolge innerhalb eines Tages ist nicht feststellbar. Genau das ist bei Finanz- und Genehmigungsdaten die Regel, nicht die Ausnahme.

AmpelBedeutungWas danach möglich ist
Conformance möglichKennung, Vielfalt, Feinheit, Vollständigkeit und Bearbeiter reichenAussagen über Reihenfolge, Akteur und Regel: „läuft in 63 % wie modelliert, in 21 % ohne Freigabe”
Nur Kennzahlen möglichalles ausser dem Bearbeiter reichtHäufigkeiten, Ablaufvarianten, Durchlaufzeiten je Vorgangsart — aber keine Aussage über Zuständigkeit
Nicht sinnvolleine der vier tragenden Messgrössen reicht nichtDie Prüfung nennt, welche. Oft ist das mit einem anderen Auszug behebbar

„Nur Kennzahlen möglich” ist kein halbes Nein. Es ist der häufigste echte Fall, und die Aussagen, die dann bleiben, sind die meistgenutzten. Es gibt drei Stufen und nicht zwei, damit dieser Fall nicht mit „untauglich” zusammenfällt.

Was dabei mit deinen Daten passiert — und was nicht

Abschnitt betitelt „Was dabei mit deinen Daten passiert — und was nicht“

Die Stichprobe wird nicht gespeichert. Sie wird im Arbeitsspeicher ausgewertet und danach verworfen. Das Ergebnis enthält Messgrössen und Sätze über die Stichprobe, aber keine Vorgangskennung, keine Aktivitätsbezeichnung und keinen Bearbeiter daraus. Es entsteht kein Datenbestand, kein Protokolleintrag über den Inhalt und keine Übermittlung an Dritte — auch nicht an einen KI-Anbieter.

Das ist keine Sparsamkeit, sondern der Zweck dieser Bauweise: die Prüfung soll stattfinden können, bevor eine Beauftragung, eine Betriebsvereinbarung oder eine Folgenabschätzung vorliegt. Ein Protokolleintrag „Mandant X hat ein Bewerbungsprotokoll geprüft” wäre bereits eine Aufzeichnung über eine Absicht.

Nicht voreingestellt abgeschaltet — nicht wählbar:

  • Bewerbungsverfahren — betreffen Personen ausserhalb des Beschäftigungsverhältnisses und lassen keine Rollenauflösung zu
  • Gesundheitsbezogene Vorgänge, einschliesslich Abwesenheiten — besondere Kategorien nach Art. 9 DSGVO
  • Disziplinarvorgänge — auf einzelne Beschäftigte bezogen; eine Ablaufanalyse darüber wäre Verhaltenskontrolle
  • Hinweisgeber- und Beschwerdeverfahren — jede Auswertung könnte auf die meldende Person zurückführen

Gibst du eine solche Vorgangsart an, wird die Prüfung mit Begründung abgelehnt — ohne die Stichprobe auszuwerten. Das ist ausdrücklich keine rote Ampel: eine rote Ampel heisst „mit besseren Daten geht es”, diese Absage heisst „diese Art von Vorgang wird nicht ausgewertet, unabhängig von der Datenqualität”. Die Sperre lässt sich weder in deinem Mandanten noch durch uns aufheben.

Kommt in deinen Aktivitätsnamen ein Begriff aus dieser Liste vor, erscheint ein Hinweis, kein Abbruch. „Beschwerdemanagement” ist eine legitime Wertstrombezeichnung; ein harter Abbruch würde zum Umbenennen führen und nicht zum Nachdenken.

Der Bericht ist auch dann ein Ergebnis, wenn danach nichts weiter passiert: „Unser Protokoll trägt in 40 % der Fälle keine Vorgangskennung, und die Zeitstempel sind auf den Tag gerundet” ist eine Erkenntnis über die eigenen Systeme, die vorher niemand hatte.

Fällt die Ampel grün oder gelb aus und du möchtest die Auswertung tatsächlich einrichten, ist das eine gesondert zu beauftragende Leistung. Sie berührt die Mitbestimmung nach §§ 96, 96a ArbVG und regelmässig eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO — der Bericht dieser Prüfung ist dafür ein guter erster Anhang.